Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Steuer-, Rechts- oder Buchhaltungsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Steuerberater oder Rechtsanwalt.
Amazon Buchhaltung: Die Herausforderung
Amazon-Verkäufer stehen vor einer besonderen buchhalterischen Herausforderung: Amazon zahlt keine einzelnen Transaktionen aus, sondern fasst Verkäufe, Erstattungen, Gebühren und Werbekosten in sogenannten Settlement-Perioden zusammen und überweist den Nettobetrag. Eine einzelne Auszahlung kann Hunderte oder Tausende von Einzeltransaktionen enthalten.
Das macht die Verbuchung komplex:
- Umsatzsteuer: Amazon erhebt und führt in vielen EU-Ländern die Mehrwertsteuer im Rahmen des Deemed Supplier-Modells ab — aber nicht überall
- Verschiedene Steuersätze: Bücher (7 %) und Elektronik (19 %) erscheinen in derselben Abrechnung
- Gebühren: Amazon-Verkaufsgebühren, FBA-Gebühren, Werbekosten sind Betriebsausgaben
- Währungen: Bei Verkäufen in UK oder anderen Nicht-Euro-Ländern entstehen Fremdwährungsposten
Amazon Settlement Report verstehen
Der Settlement Report (Zahlungsbericht) ist die primäre Abrechnungsquelle. Sie finden ihn in Seller Central unter Berichte → Zahlungen → Abrechnungsberichte.
Der Report enthält:
order-id: Amazon-Bestellnummertransaction-type: Art der Transaktion (Order, Refund, Transfer, FBA Inventory Fee, etc.)amount-type: Unterkategorie (Principal, Shipping, Tax, MarketplaceFacilitatorTax-Principal, etc.)amount: Betrag in der Settlement-Währungfulfillment-id,merchant-order-id: Verweise auf weitere Berichte
Wichtig: Das Feld
MarketplaceFacilitatorTaxweist die von Amazon einbehaltene und abgeführte Umsatzsteuer aus. Diese dürfen Sie in der Regel nicht zusätzlich in Ihrer UStVA deklarieren.
VAT Transaction Report vs. Settlement Report
Amazon stellt zwei verschiedene steuerrelevante Berichte bereit:
| Bericht | Zweck | Abrufbar unter | |---------|-------|----------------| | Settlement Report | Zahlungsabstimmung, buchhalterische Verbuchung | Berichte → Zahlungen → Abrechnungsberichte | | VAT Transaction Report | Umsatzsteuer-Meldung, OSS, ZM | Berichte → Steuern → VAT Transaction Report |
Für die Buchhaltung (DATEV) nutzen Sie den Settlement Report. Für die Umsatzsteuer (OSS-Meldung, ZM-Meldung) ist der VAT Transaction Report die richtige Grundlage.
B2B vs. B2C: ZM-Meldung oder OSS?
Bei EU-Verkäufen müssen Sie unterscheiden:
B2C-Verkäufe an Verbraucher in anderen EU-Ländern → Umsatzsteuer im Bestimmungsland fällig → Abwicklung über das OSS-Verfahren (One Stop Shop) beim Bundeszentralamt für Steuern → Keine ZM-Meldung erforderlich
B2B-Verkäufe an Unternehmen in anderen EU-Ländern → Innergemeinschaftliche Lieferung, ggf. steuerfrei (§ 4 Nr. 1b UStG) → ZM-Meldung beim BZSt erforderlich → Nachweis: Empfänger hat gültige EU-USt-IdNr.
Amazon-Seller verkaufen überwiegend an Verbraucher — hier ist OSS der relevante Weg. Für B2B-Verkäufe prüfen Sie, ob Amazon die USt-IdNr. der Käufer korrekt erfasst.
DATEV Import: Schritt für Schritt
Schritt 1: Settlement Report herunterladen Seller Central → Berichte → Zahlungen → Abrechnungsberichte → Typ „Zahlungsbericht V2" wählen → Zeitraum auswählen → Herunterladen
Schritt 2: Daten aufbereiten Der Report enthält rohe Transaktionszeilen. Für DATEV benötigen Sie konsolidierte Buchungssätze:
- Umsätze nach Steuersatz gruppieren
- Amazon-Gebühren als Betriebsausgaben separieren
- FBA-Lagergebühren von Verkaufsgebühren trennen
- Erstattungen als negative Buchungen erfassen
Schritt 3: DATEV-Konten zuordnen Typische Konten im SKR03:
- 8400 (SKR03) / 4400 (SKR04): Umsätze 19 % Inland
- 8300 / 4300: Umsätze 7 % Inland
- 4780 / 3780: Amazon-Verkaufsgebühren
- 4783 / 3783: FBA-Lagergebühren
- 4810 / 3810: Amazon Advertising
Schritt 4: DATEV-Buchungsstapel erstellen und importieren Exportieren Sie die aufbereiteten Daten als DATEV-konformen Buchungsstapel (ASCII-Format) und importieren Sie diesen in DATEV Pro oder Kanzlei-Rechnungswesen.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Fehler 1: MarketplaceFacilitatorTax doppelt erfassen Amazon führt in vielen EU-Ländern die Umsatzsteuer direkt ab. Wer diese Beträge zusätzlich in der UStVA deklariert, zahlt doppelt. Prüfen Sie mit Ihrem Steuerberater, welche Umsätze Sie selbst melden müssen.
Fehler 2: Settlement-Perioden nicht mit Rechnungsmonat abgleichen Amazon-Abrechnungsperioden entsprechen nicht dem Kalendermonat. Eine Abrechnung kann Transaktionen aus zwei Kalendermonaten enthalten. Für die korrekte periodengerechte Buchung ist eine Aufteilung erforderlich.
Fehler 3: Erstattungen vergessen Rückerstattungen an Käufer reduzieren die steuerpflichtigen Umsätze. Viele manuelle Auswertungen erfassen nur Verkäufe und übersehen die Erstattungszeilen im Settlement Report.
Fehler 4: Währungsumrechnung Bei GBP- oder SEK-Umsätzen muss zum Buchungsdatum umgerechnet werden. Verwenden Sie die offiziellen EZB-Wechselkurse oder die in DATEV hinterlegten Kurse.
Hinweis: Die Inhalte auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Steuer-, Rechts- oder Buchhaltungsberatung dar. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Steuerberater oder Rechtsanwalt.